Die Verity Audio Sarastro IIS
 
 
Ich weiß, man bringt mich in erster Linie mit Wilson Audio in Verbindung und danach gleich mit Magico. Wilson Audio begleitet mich auch schon seit weit über 30 Jahren und ich war schon beim ersten Watt/Puppy Modell mit dabei.
 
Über Verity Audio habe ich noch wenig geschrieben, da wir die Lautsprecher auch erst seit ca. 2 Jahren bei uns im Programm haben. Die Form und Ästhetik haben mir bei den Kanadiern schon immer gefallen, leider hatte ich nie richtig die Möglichkeit diese Lautsprecher in richtiger Umgebung und mit passender Elektronik zu hören. Nur eine Vorführung von Nagra vor vielen Jahren in Nürnberg mit dem Lohengrin, war mir in sehr guter Erinnerung.
 
Als ich dann von Jan Sieveking eine Sarastro IIS zur Probe für einige Wochen bekam, war es schon nach kurzer Zeit klar: Die gehören auch nach Starnberg! Und so sind bei uns Lakmé, Otello, Parsifal Anniversary, Sarastro IIS und Lohengrin IIS ein fester Bestandteil in unserer Demo.
 
Ich mag nicht sagen, dass die Sarastro IIS besonders aus dem Sortiment heraussticht, aber mit dem Bändchen im Hochton und der noch sehr kompakten Größe (ähnlich eines Wilson Audio Sasha DAW) ist der kanadische Lautsprecher schon etwas ganz Besonderes. Warum genau liegt an seinen klanglichen Fähigkeiten und diese gepaart mit seinen noch wohnraumfreundlichen Abmessungen. Aber nicht nur Größe, Länge und Breite sind gefällig, auch seine Optik und sein Design ist zauberhaft.
 
Seine Form ist leicht pyramidenartig, was viele andere Lautsprecher auch sind, aber hier stimmen Proportionen bis auf den Millimeter genau und geben der Sarastro eine perfekte Eleganz. Dazu kommt das leicht nach hinten konisch zulaufende Gehäuse, so dass ein fast schon kunstvolles Objekt entsteht. Die Sarastro besteht aus 2 Modulen, die nahtlos zueinander verlaufen und von einer schwarzen Absoberplatte getrennt werden (technisch später dazu mehr). Das macht den Lautsprecher sogar interessanter und optisch ergibt sich eine Trennung, die eine willkommene Unterbrechung ist und den Lautsprecher nicht zu säulenhaft wirken läßt.
 
Die Verarbeitung ist mit einem Wort gesagt: Tadellos! Egal ob lackiert oder in einem Furnier, die Verity besticht mit edelstem Finish. Furniere gibt es sogar wahlweise in geölt oder auch mit Lack veredelt.
 
Schön ist die Sarastro IIS auf jeden Fall, man merkt es schon daran, dass Kunden gerne um den Lautsprecher einige Runden drehen und dabei immer wieder die Oberfläche streicheln. Aber noch viel wichtiger ist, wie klingt die Sarastro IIS?
 
 
 

 
 
 
Klein, aber Fein
 
Zuerst etwas zur Geschichte von Verity Audio: Verity besteht heuer seit 21 Jahren und hat seinen Firmensitz in Quebec City, im französisch-sprachigen Teil Kanadas. Die Firma wurde vom Elektroingenieur und passionierten Gitarristen Bruno Bouchard und von Julien Pelchat gegründet, der schon in seiner Jugend in Tonstudios und bei Live-Veranstaltungen arbeitete und später als Akustiker für Studios tätig war. Die beiden waren vor der Gründung von Verity Audio bei Oracle beschäftigt, das vor allem als Hersteller des ungemein schmucken und gut klingenden Delphi-Laufwerks bekannt wurde. Als reiner Manufakturbetrieb beginnt man mit dem Bau eines Pärchens Schallwandler erst nach dem Auftragseingang, um den Kundenwünschen in puncto Furnier oder Lackierung gerecht werden zu können. Klingt klein und fein und ist es auch. Nach so vielen Jahren in der Hifi-Szene bin ich der Meinung, dass es herausragende Produkte nur von Herstellern gibt, hinter denen Persönlichkeiten stehen (wie Bruno Bouchard und Julien Pelchat, Alon Wolf oder die Wilson Audio Familie – einst Dave Wilson und heute sein Sohn Daryl Wilson). Diese Persönlichkeiten haben nicht nur den Profit auf ihrer Agenda stehen, sondern wollen Produkte herstellen, auf die sie stolz sind. Das geht nur mit Überzeugung, einer besonderen technischen und akustischen Intelligenz, aber auch mit einem musikalischen Background. Ohne letzteres kann man das Ergebnis nämlich gar nicht beurteilen.
 
Alle namhaften Firmen in der Audioindustrie die von Holdings oder anderen Investoren gekauft wurden, wurden zu auswechselbaren und glatt gebügelten Produktherstellern. Ein positives Beispiel mag es vielleicht in vielen anderen Bereichen geben, aber nicht in der Audioindustrie.
 
Geld allein macht kein gut (außergewöhnlich gut) klingendes Produkt aus, da braucht es mehr als nur Marketing und modernes Management!
 
Die Sarastro IIS folgt auf die Modelle Sarastro und Sarastro II. Die S-Version steht für die Verwendung der S-Plattform, die den Lautsprecher nunmehr weitestgehend unabhängig vom Aufstellungsuntergrund machen soll. Die Sarastro II wurde ursprünglich dafür konzipiert, bei eingeschränktem Maximalpegel und Tiefgang die Qualitäten der Lohengrin in kleinerer Baugröße und in kleineren Räumen zu erreichen. Sie ist dabei im Vergleich zu einer Amadis S durch den Bändchenhochtöner und etwas mehr Größe mit einer feineren Auflösung gesegnet und kann im Bass noch etwas tiefer nach unten reichen.
 
 
Unscheinbar, aber doch mit durchdachter Technik
 
Der Mitteltöner des Sarastro IIS verwendet eine spezielle Schwingspule, die kürzer als der Magnet ist, was die Linearität maximieren soll. An der entstehenden Lücke auf der Schwingspule sitzt dafür ein Faraday-Kupferring auf dem Spulenkörper und fokussiert das Magnetfeld, um zu verhindern, dass Schwankungen im Signal Schwankungen in der Feldstärke erzeugen. Diesen Treiber unter Kontrolle zu halten ist eine heikle Aufgabe und hat viele Maßnahmen seitens der Entwicklung erfordert, da er eine ungewöhnlich große Bandbreite von 150 Hz bis 5,5 kHz abdeckt. Die Idee besteht darin, erstens die Mitten der Musik so homogen wie möglich zu halten (ohne die Frequenz zu trennen) und zweitens den Bändchen-Hochtöner von zu viel Last zu befreien. Grundtöne (die höchste Note eines Klaviers ist etwa bei etwa 4,2 kHz) soll noch der Mitteltöner übernehmen, und das Bändchen konzentriert sich auf hohe Frequenzen, die über sechs Oktaven bis hin zu behaupteten 60 kHz gehen. Die ältere Version war ebenfalls ein Bändchen-Design, aber der Hochtöner des II, entworfen und hergestellt von Verity Audio, enthält einen überarbeiteten Magneten, ein breiteres Bändchenelement, eine Aufhängung, die die Leistung effizienter handhabt, und eine neu gestaltete Frontplatte, um die Abstrahlung besser an den Mitteltöner anzupassen. All diese Änderungen erforderten jedoch Anpassungen an beiden Frequenzweichen, den Verstrebungen und dem Luftstrom in beiden Gehäusen, sowie der gesamten internen Verkabelung (die jetzt aus massivem Silber mit OFC-Leitern ist).
 
Aber es ist der 28cm Tieftöner, mit gleicher Schwingspulen Technik wie der Mitteltöner der das umstrittenste und potenziell problematischste Element der Sarastro IIS ist. Er ist hinten montiert(!). Die meisten Lautsprecherdesigner versuchen, den Effekt von Raumreflexionen zu minimieren oder einfach zu ignorieren. Aber Bouchard und Pelchat haben herausgefunden, dass fast alle Räume den Bass bis zu einem gewissen Grad verstärken, daher ist die Sarastro darauf ausgelegt, diese Effekte auszunutzen – „um sich reibungslos und genau in den Raum zu integrieren“, wie es in der Literatur von Verity Audio heißt. Gleichzeitig wird mit der Woofer-Ausrichtung ein Bessel-Filter verwendet, um die Bassanhebung die ein Raum zwangsläufig hat zu „kompensieren“. Soweit die Theorie, zur Praxis später mehr.
 
Die niemals parallelen Gehäusewände verleihen eine elegante Erscheinung, sind aber hauptsächlich dafür gedacht keine stehenden Wellen innerhalb des Gehäuses entstehen zu lassen. Das Tiefton-Modul selbst ruht serienmäßig auf den „Floor Isolation Stands“: Zwischen der oberen Platte und dem Gehäuse befindet sich ein Sandwich aus zwei Elastomer-Schichten, die tiefe Resonanzen absorbieren sollen, mit einigen Zentimetern Karbon-Schaum dazwischen. Der wurde ursprünglich zu Schirmung von Hochfrequenzstrahlung entwickelt, besitzt aber auch die Fähigkeit, sehr effektiv im Audiobereich Energie zu absorbieren und in Wärme zu wandeln. Der recht massiv wirkende, dabei aber überraschend leichte schwarze Block verhindert nicht nur, dass Energie von Lautsprecher den Boden zum Mitschwingen anregt, sondern soll die Sarastro IIS auch von der Beschaffenheit des Bodens unabhängig machen, so dass es so gut wie keinen Einfluss mehr hat, ob sie auf Teppich, Holz- oder Fliesenböden steht. Unter dem Entkopplungsblock sind vier große, griffige höhenverstellbare Aluminium-Füße angebracht, die die wackelfreie Ausrichtung des Lautsprechers zum Kinderspiel machen.
 
Die gesamte Mittel-/Hochtoneinheit ist wiederum in einem separaten Gehäuse untergebracht und ruht auf einer drei Zentimeter dicken Aluminium-Platte mit Sorbothan-Dämpfern, entkoppelt vom Tiefton-Modul. Laut Produktinformation möchte Verity Audio damit den mechanischen Wellenwiderstand der Konstruktion in einen günstigen Bereich legen.
 
 
 

 
 
 
Setup mit Rückwärtsgang
 
Lautsprecheraufstellung ist Erfahrungssache. Dazu muss man viele verschiedene Lautsprecher in unterschiedlichsten Räumen aufgestellt haben. Nur dann kann man Rückschlüsse von klanglichen Ergebnissen auf Aufstellungspositionen ziehen und den perfekten Punkt finden, an dem der Lautsprecher zu 100% mit dem Raum harmonisiert.
 
Warum Aufstellung so wichtig ist und warum Zentimeter eine Rolle spielen, kann ich an einem Beispiel verdeutlichen: Im Tiefton entstehen in jedem Raum Resonanzen und Auslöschungen. Der Lautsprecher hat im Tieftonbereich eine Rundumabstrahlung, was bedeutet das rückwärtige Tieftonwellen an der Rückwand reflektiert und sich mit direkt nach vorne Abstrahlenden überlagern und Auslöschungen erzeugen. Diese Auslöschungen finden in einem Frequenzbereich satt, der natürlich vom Abstand zur Rückwand abhängig ist. Steht der Lautsprecher so, dass die Auslöschung dort stattfindet, wo auch die Raumauslöschung sich befindet, wäre dies die klanglich schlechteste Position. Ideal wäre, wenn die Auslöschung durch die Aufstellung sich deckt mit der Frequenz der maximalen Raumresonanz.
 
Ich stelle nun schon seit fast 2 Jahren Verity Audio Lautsprecher auf, deren Tieftonbässe sich an der Rückseite befinden. Das Verity mit diesem System Wunder vollbringt kann ich keineswegs bestätigen – wie auch? Die Position der Lautsprecher ist nicht weit und eher nur wenige Zentimeter von der „idealen Position“ entfernt, an der auch andere Lautsprechermodelle (geschlossen oder mit Port) stehen. Allerdings wenn im Wohnraum die Verity ganz nah an der Rückwand stehen „muss“, dann haben die Kanadier zu anderen einen kleinen Vorteil. Der dann direkt an der Rückwand platzierte Woofer erzeugt dann kein (ganz wenig) Delay. Eine Basserhöhung(!) gibt es wie bei allen anderen Lautsprechern auch, aber die Auslöschung ist so gut wie nicht mehr vorhanden.
 
 
 

 
 
 
Verity Sarastro IIS – Klangliche Wahrheit?
 
Die klangliche Wahrheit sprudelt aus der Verity Sarastro IIS nicht gleich nach den ersten Tönen aus dem Lautsprecher. Denn die Kanadier brauchen eine extrem lange Einspielzeit. Anfangs ist es sogar erschreckend was die Sarastro so von sich gibt und man muß einfach die Replay Taste drücken und nach zwei Wochen in den Hörraum wiederkommen.
 
Der Unterschied ist dann aber unglaublich: Nun hat die Verity Transparenz, Dynamik, Kontrolle und Ausgewogenheit. Jetzt macht es Spaß Musik zu hören und die Sarastro IIS auf Herz und Nieren zu testen.
 
Ich höre selbst nur Lautsprecher, die mit einem maximalen Maß an Durchsichtigkeit spielen, denn nur dann wird der Hörer mitten ins musikalische Geschehen hineingezogen. Das ist eine Dominanz von Lautsprechern mit aufwendigen Gehäusen wie Wilson Audio oder Magico, die wesentlich mehr Steifigkeit bieten als herkömmliche MDF Gehäuse. Also hatte ich schon einen Vorbehalt was Transparenz und auch Dynamik (nicht Lautstärke abhängig) betreffen. Denn Lautsprecher mit Holz oder MDF Hülle verschlucken auch einiges an Impulsivität und wirken nicht so explosiv und unmittelbar bei Schlagzeugen, Gitarren-Riffs oder Trompeten, wie ein Wilson Audio Lautsprecher (die Referenz).
 
Die Verity Sarastro IIS ist ein Lautsprecher aus MDF, aber anscheinend haben Bruno Bouchard und Julien Pelchat mit diesem gängigen Material eine Lösung gefunden, die der Musik keine Energie entzieht. Die Sarastro spielt ganz und gar nicht „lustlos“ und verschluckt Micro-Details, wie ich es üblicherweise von der „MDF-Fraktion“ kenne. Ganz im Gegenteil, das Niveau in dieser Kategorie ist nicht ganz zu 100% das einer Wilson Audio, aber schon ziemlich nahe dran und steht auf gleicher Ebene wie eine Magico. Somit ist die Sarastro IIS nie langweilig oder „lahm“, sondern musiziert dynamisch und wirkt „livehaftig“. Beckenschläge, Klavieranschläge, und Gitarrenriffs sind nicht gedämpft und leicht verfärbt, wie bei den meisten MDF Lautsprechern. Warum das so ist, kann ich – ganz ehrlich – nicht wirklich sagen.
 
Kommen wir nun zu den Stärken der Sarastro IIS. Das ist zum einen die emotionale Darbietung und zum anderen die räumliche Darstellung der Musik.
 
Die emotionale Darbietung ist nicht einfach zu beschreiben! Verwende ich dafür „Musikalität“, dann ist da oft „sanfte, warme“ Darbietung gemeint, was natürlich kein besonders gutes Kriterium ist. Dafür muss man nicht viel Geld ausgeben, denn schon kleine Röhrenverstärker oder eben zurückhaltend konzipierte Lautsprecher erfüllen dieses Kriterium leicht. Das ist aber nicht zielführend und schon gleich gar nicht emotional.
 
Das Emotionale, der „Gänsehauteffekt“ den ein Lautsprecher vermittelt ist etwa wie die Darbietung eines Sängers oder Sängerin, die ein Lied technisch perfekt singen aber dennoch nicht berühren. Nur das Singen mit Herz und Seele berührt wirklich und ist „ausdrucksstark“, das sind z.B. Wörter wie deutlich, überzeugend, bedeutungsvoll, zugänglich, greifbar, aber auch charismatisch, farbig, expressiv, emotional.
 
Was macht nun einen Lautsprecher „ausdrucksstark“? Dazu mache ich mir seit vielen Jahren Gedanken und komme auf folgende Theorien:
 
 
Energetische Balance
 
Das ist nicht gleichzusetzen mit Frequenzgang. Man kann einige Lautsprecher mit 98% gleichem Frequenzgang miteinander vergleichen und jeder hört sich völlig unterschiedlich an was die Ausgewogenheit und damit Verfärbung angeht. Es ist mehr eine energetische Ausgewogenheit, die entscheidend ist. Ein Lautsprecher mit seinen Treibern, Übergangsfrequenzen, den Weichenbauteilen, Kabeln und Gehäuse ist ein komplexes Gebilde, das die Energie über den gesamten Frequenzbereich nicht immer gleichmäßig behandelt und einige Bereiche (Frequenzen) mehr oder weniger speichert (in Kabeln, Bauteilen, Gehäuse) und dann auch unterschiedlich wieder abgibt. Und das führt zu mehr oder weniger deutlichen Verfärbungen und zu harter, unangenehmer Wiedergabe in höheren Frequenzen. Die meisten Systeme (Lautsprecher und Kabel) tendieren zu einer Unterbelichtung des mittleren Spektrums, welches für die Musik am bedeutesten ist, wenn nicht sogar essenziell ist. Auch wenn der Frequenzgang linear ist, zeigt sich oft der Bass nicht im richtigen Timing zur Musik, die Mitten völlig unterbelichtet und der obere Bereich der Musik energetisch überladen.
 
Ein Lautsprecher kann nur dann wirklich ausdrucksstark sein, wenn die energetische Balance stimmt. Eine Stimme, Gitarre, Klavier oder Saxophon bekommt zu ihrem Ton auch einen Klangkörper und nur dann, wirklich nur dann, hat Diana Krall den Charakter ihrer Stimme der sie einzigartig macht, trifft der Klavieranschlag eines Flügels mitten ins Herz, spielt ein Saxophon mit prachtvollen Farben und das Zupfen einer Gitarre erzeugt Gänsehaut.
 
Darin ist die Sarastro IIS ein Meister. Mit richtigen Kabeln und Verstärkern ist Musikhören mit der Verity ein Feuerwerk an Emotionen. Nur wenige Lautsprecher aus meiner Erinnerung kann ich so hoch einordnen, wie das große Magico Hornsystem in San Francisco, die Wilson Audio Sasha DAW, die Magico V3 oder die Philharmonia Amadeus.
 
Die zweite Stärke der Sarastro IIS ist ihre räumliche Darbietung. Zu völligem Loslösen der Musik vom Lautsprecher und einer perfekten dreidimensionalen Darstellung der Bühne darf zum einen das Gehäuse keine Rolle spielen. Deshalb ist es mehr als verwunderlich für mich, dass die Kanadierin mit dem MDF Gehäuse (ich habe immer noch keine Antwort darauf) hier so glänzt. Nicht weniger wichtig ist die energetische Balance, denn mit einem nicht ausgewogenen Lautsprecher fehlen schlichtweg Informationen und mit fehlenden Informationen lässt sich auch kein 3D darstellen. Letzter wichtiger Punkt ist die Phasenrichtigkeit des Lautsprechers (auch eine Theorie von mir und nicht belegbar!).
 
Phasengenauigkeit ist für die 3D Wiedergabe anscheinend sehr wichtig. Der Lautsprecherhersteller Vandersteen Audio in den USA setzt darauf zu 100%. Und bei allen Vorführungen dieser Lautsprecher fällt auch deren exzellente 3D Wiedergabe sofort auf, wenn auch vieles andere mir nicht so gut gefallen haben. Wie im Leben ist eine Lautsprecherfrequenzweiche auch mit Kompromissen behaftet. Eine Weiche mit einem perfekten Phasenverlauf hat auch Nachteile, denn dann muss der Übergang bei den Trennfrequenzen wesentlich flacher gemacht werden und das führt zu einer komplexen Summe der Nahfeld-Messungen von Hochtöner-, Mitteltöner- und Tieftöner -Antworten, die man auch nicht unbedingt haben möchte. Im Falle der Verity Sarastro IIS ist mit mehr als einem Port ist das Niederfrequenzverhalten sogar sehr komplex.
 
Das Geheimnis der Verity Sarastro IIS ist eigentlich ein für mich sehr ungeliebtes Wort: Kompromiss. Aber hier führt es zum Erfolg. Bruno Bouchard und Julien Pelchat haben anscheinend sehr feine Ohren und haben die perfekte Balance mit den verschiedenen Treibern, der Frequenzweiche und den beiden Ports für absolute Harmonie und Maximum von Phasengenauigkeit(!) und allen anderen wichtigen Parametern getroffen. Ich glaube die Beiden haben eine Lösung für einen exzellenten Phasenverlauf gefunden, ohne dabei Verfärbungen oder Dynamikverluste in Kauf nehmen zu müssen.
 
Große Orchester sind mit der Sarastro IIS eine Offenbarung. Mit Reference Recordings Rachmaninoff Symphonic Dances oder Fritz Reiner Prokofiev: Lieutenant Kij öffnet sich
vor meinen Ohren ein Spektakel in prachtvollen Farben. Strahlende Bläser und die auf den Punkt spielende Pauke in Kombination mit einem Meer von Streichern in unbegrenzter Räumlichkeit habe ich in dieser Anschaulichkeit selten, nein, im Grunde genommen noch gar nicht gehört.
 
Unbestritten gehört die Verity Sarastro IIS für mich zu einem der besten Lautsprecher, die ich kenne und wenn es um die Schönheit und das Design geht, dann bleiben da kaum mehr Konkurrenten.